Umsonsttheke

Endlich haben wir es gemacht! Schon immer hatte ich die Idee dazu grau irgendwo im Hinterkopf schwirren… Der Triggermoment war dann der, als wir im Heute einen Flohmarkt veranstaltet haben und ich gar keine Lust hatte meinen Krempel zu verkaufen.

flohm 1Hatte ewig das Ausmisten unseres völlig verstopften Dachbodens vor mir hergeschoben und nahm dann diese Veranstaltung zum Anlass mich dort mal hinein zu wagen. Mit freundlicher & tatkräftiger Unterstützung von Mitbewohnerin Sena und Kupanin Lena. Ergebnis war völlige Überforderung, keine Ahnung wem was gehört, weiter als einen halben Meter kam man nicht. Die Altlasten von ein- und ausgezogenen MitbewohnerInnen aus 4 Jahren KirschgartenWG türmten sich zu unüberwindbaren Haufen. (fairerweise muss man sagen, dass auch ein gar nicht so kleiner Anteil meine Sachen waren/sind!) Wir haben es trotzdem geschafft ein paar Sack voll Klamotten und Kram zu packen und haben das Zeug in die Quelle gekarrt… Und dort, wie gesagt, hat es sich irgendwie sinnlos angefühlt Geld für den Krempel zu verlangen. Warum sollte ich von jemand Geld dafür verlangen, etwas mitzunehmen, von dem ich froh bin es los zu sein?

Habe im Endeffekt lauter Sachen verschenkt und hatte große Freude daran! Und die Beschenkten erst! Dann wieder zuhause, gabs mal wieder einen Umzug und ein Regal war über. Und da war die Idee geboren, es unten vor unserer Haustür in den „Tunnel“ zu stellen, als Umsonstregal. So würden wir vielleicht endlich diesen Balast los… Schnell noch mit Shari zusammen ein paar lustige Schilder gemalt, kurz auf den Dachboden, einen Arm voll Krempel mitgenommen und das ganze in die Freiheit entlassen.

1umsonstregal 1.jpg

Noch ganz neu! Shari hat immer schöne Polas gemacht.

Schon am nächsten Tag war die Hälfte der Sachen weg und dafür einige andere da. Und so weiter… Haben dann noch ein Gästebuch gebastelt. Wurde alles hervorragend angenommen, wir waren bestimmt schon 100kg Dachbodeninhalt los und jeden Abend wenn man heimkam lag etwas neues da. Dann war das Gästebuch weg. Schade, schön wars… Aber halb so wild. Und ein paar Tage später das Regal. Die Sachen alle ausgeräumt, auf den Boden gestellt. Nachdem wir einen Abend den Fahrradanhänger nicht ans Regal gesperrt hatten.umsonstregalANIMATION1.gif

Dann waren wir erst kurz traurig und sowieso im Urlaub. Aber dann haben wir wieder eins aufgebaut. Diesmal nur aus Müll. So, dass es egal ist, wenns wer mitnimmt und auch so, dass es eh nicht mehr so attraktiv ist. Obstkisten sind dann das Baumaterial unserer Wahl geworden, weil unendlich vorhanden und ganz gut als modulares Baussystem verwendbar. In der Quelle geplant, haben wir dann den Anhänger komplett vollgestopft und sämtliche andere Transportmöglichkeiten voll ausgelastet und sind nach Hause getuckert.

3umsonstregal 6 2.jpg

Die Karawane.

Entstanden ist daraus die Umsonsttheke. Und schon konnte man hören: „Oh, schau, sie haben’s wieder aufgebaut!“ Irgendjemand hat eine Obstkiste mit „nice“ und die Wand mit „sehr geil“ getagged. Die Problematik war dann, dass wir hauptsächlich Kleidung übrig haben und die Theke nichts zum Aufhängen hatte. Also hab ich noch eine Kleiderstange angebaut. Dann hat der Wind oder sonstwer unser tolles Schild mit Katzenkopf (der eines Tages mit drin lag) weggetragen. Also musste auch nochmal ein neues Schild her. Diesmal festgeschraubt. Und ein neues Gästebuch, diesmal hässlicher, gibts auch.umsonstregalANIMATION2.gif

Was ich sehr interessant finde ist, dass man auf einmal mit den Menschen auf der Straße ins Gespräch kommt. Und zwar mit ungefähr jeder zweiten Person die vorbeiläuft! Viele verstehen es nicht, man muss es ihnen erklären. Eine ältere Frau hat gefragt, was es ist und dann erzählt, dass ihre Freundin dachte, dort würde jemand übernachten. Auch gut! Sie meinte dann, dass sie noch viele alte Bücher hat, die sie mitbringen wird. Und ein Mann meinte: „Das Zeug gehört einem, der da oben wohnt, hab ich gehört. Wissen Sie warum das da ist?“ – „Ja, damit es die Leute mitnehmen.“ – „Nein, das ist doch alles Müll, das nimmt doch keiner mit! Ich rufe morgen SÖR (=Servicebetrieb Öffentlicher Raum) an, die sollen das wegräumen.“ Mittlerweile ist alles weg, was damals da war, als der Mann sich beschwert hat, die Theke ist noch da. Mal sehen wie lange noch.

tunnel1

Was ich schon tolles bekommen habe: Ein Glas selbstgemachten Senf, 3 Fläschchen Orangensaft, einen wunderschönen Pulli, Sojasteaks, ein uraltes Sience-Fiction-Buch, eine hölzerne Schmuckschatulle und keine Ahnung was noch alles…

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Über lukasseite

system- und kunstkritische Kunst. aktivistischer Illustrator // reisender Portraitzeichner // kulturschaffender Radfahrer // Sand im Getriebe // Ein Tropfen im Ozean //

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