/ / Q / / BIRDS / / VOR DER TÜR / / WAS DA IM GEBÄUDE LOS IST / /

Tonnenweise Filmaufnahmen haben sich über die Jahre im ehemaligen Quelleversandzentrum angesammelt. Langsam wurde es schon zu einem Berg, den ich mich nicht mehr anrühren traute… Einen richtig langen Film zu basteln würde auch definitiv meine Geduld, Rechnerleistung und Fähigkeiten übersteigen. Also dann die logische Folge: Es gibt viele kürzere Filmchen.

Hier, bittesehr, die ersten 3 Folgen von / / Q / / QUELLE QUERSCHNITTE / /

/ / Q / / QUELLE QUERSCHITTE / / BIRDS / /
Großes Kino. Querbeet zusammengewürfeltes Filmmaterial aus 4 Jahren Quelle. Völlig zufällig zusammengeschnitten. Roh belassen. Ein ungeführter Tauchgang in den absurden Alltag dieses einzigartigen Mikrokosmos‘. Alltag sind die an ihren mannigfaltigen Projekten arbeitenden Menschen, die leeren Hallen, die Feste und das Spiel. Alltag ist auch der Wachdienst mit Hund, der Burgblick von der Dachterrasse und, dass das Regenwasser im 5. Stock an vielen Stellen von den grünen Wannen aufgefangen wird. An anderen Stellen läuft es runter in den 4. Stock…
In Teil 1 von vielen treten vermehrt Szenen auf, die irgendwie in Zusammenhang mit der tierischen Bevölkerung des Luftraums zu tun haben. So die feinsäuberlich von einer Unbekannten aufgereihten Vogelskelette auf einem Betonsockel im 4. Stock, Bau III. Und auch der Vogel aus Berlin legt sich scheinber für lange oder immer in ein Bett aus Flyern (genannt Honolulu forever) oder die Tauben die mittlerweile große Teile des 3. Stocks komplett in Beschlag genommen haben, weil sich hier erstens einige Fenster nicht mehr schließen lassen und sie hier zweitens von liebevollen MieterInnen gefüttert werden. Und Tom baut relativ vogelunabhängig seine Lampe.
lesampoules.org/
birdberlin.bandcamp.com/

/ / Q / / QUELLE QUERSCHNITTE / / VOR DER TÜR / / (UND HINTER DER TÜR) / /
Großes Kino. Querbeet zusammengewürfeltes Filmmaterial aus 1 Tag Quelle. Ein kleiner Einblick, die Menschen, was machen sie denn da? Irgendwie gibt es eine Struktur, es wird etwas organisiert. JedeR hat eine Aufgabe oder einen Auftrag dem er/sie nachgeht. Im Idealfall wird dadurch die Lebensqualität der Gemeinschaft verbessert. Oder man profitiert von den reichlich vorhandenen Möglichkeiten und kommt selbst ein Stück vorran.
In Teil 2 von vielen sehen wir, was zum Beispiel auf dem ehemaligen Busparkplatz (hier haben die Busse geparkt, die die ganzen Angestellten Tag für Tag hergekarrt haben) vor der Quelle passiert, vor der Tür der Traumerfüllungspflicht. Diese ist in der Zeit vor der Zwangsversteigerung zu einer Art Hauptquartier für die Aktion „Quelle Retten“ geworden. Jeden Tag gabs jede Menge Telefonate, Besprechungen, Bau/Bastelaktionen und ein großes Essen. Diese Stangen auf dem Parkplatz mussten etwas entschärft werden. Ein paar Löcher reingeschnitten und schon kann man den Platz der vertanen Chancen diagonal überqueren und ein kleines Fest drauf machen!
traumerfüllungspflicht.de
openpetition.de/petition/online/quelle-retten-fuer-eine-stadt-voller-ideen-und-entwicklungsmoeglichkeiten

/ / Q / / QUELLE QUERSCHNITTE / / WAS DA IM GEBÄUDE LOS IST / /
Großes Kino. Im Stadtgarten versucht man zu erklären was eigentlich in dem größtenteils leerstehenden Gebäude passiert. Und im Gebäude versucht man sich bestmöglich auszutoben.
Folge 3 von vielen zeigt uns Abstruses und Gewaltiges. Quolo ist eine Erfindung, resultierend aus übermäßig viel vorhandem Platz, den zum Alltag gehörenden Fortbewegungsmitteln im Haus und einem unstillbaren Spieltrieb. Das SIT-IN im Heute war eine Kollaboration zwischen der Sound-Kombo Stadt aus Draht und JOBOT, ein Designer und Künstler der genauso wie die Musiker. Doch von außen sieht man all das nicht…
soundcloud.com/stadt-aus-draht – die Musik
jobot.tumblr.com – die Pyramiden
stadtgarten-nuernberg.de – der Stadtgarten

 

Außerdem ist hier vielleicht der passende Ort um einen Text unterzubringen, den ich für den Heute-Katalog geschrieben habe:

Quelle Spielplatz – 255000qm Lebensraum

Mit dem Skateboard aufs Klo zu fahren ist genauso normal, wie neben plätschernden Rinnsalen, die von der Decke in grüne Plastikwannen tropfen, Tischtennis zu spielen. Dann kommt der Aufzug oben an, raus kommt ein bis oben hin mit Möbeln und seltsamen Maschinen beladener Wagen. Irgendwo dahinter versteckt – ein Mensch. Dieser schiebt sein Vehikel durch die Halle, winkt den Tischtennisspielern und verschwindet in einer der Türen.
In einer Umgebung, in der es Platz im scheinbar unendlichen Überfluss gibt, hat sich ein eigenartiger Alltag entwickelt. Ein absurder Mikrokosmos ist entstanden, bestehend aus einigen sehr speziellen Individuen, die ihren Tätigkeiten nachgehen, einer Pforte mit einem Pförtner, der die Türen des Gebäudes um 12 Uhr abschließt, bestehend aus verschiedenen Lagern und Büros und deren ArbeiterInnen, aus einer Werksfeuerwehr die eher einer großen Hausmeisterei gleicht und über allem schwebt die anonyme Präsenz der Insolvenzverwaltung.
Die riesigen Hallen werden aber dann doch den Tauben genauso überlassen wie sporttreibenden Freaks. Quelle-Spiele wurden erfunden, Vögel verhungern und vertrocknen wenn sie sich zu weit in den Säulenwald vorgewagt haben. Werden dann wieder vom Hund des Fahrradschraubers entdeckt und stolz vor dessen Füße gelegt. In den Räumen nebenan proben verschiedene Bands, in der Halle vermischt sich alles zu einem dumpfen Potpourri. Vier Leute jagen hier auf Tretrollern und Skateboards einem Tennisball hinterher. Es gilt diesen in einem an die Wand gesprühtem Tor unterzubringen. Quolo oder Hackpolo genannt.
An einem anderen Tag ist einfach gar nichts los. Die untergehende Sonne scheint einmal quer durch den Bau, alles ist in oranges Licht getaucht. Aber still ist es nie. Das allgegenwärtige monotone Dauerbrummen summt, der Aufzug plappert ununterbrochen vor sich hin: „Hier Thyssen-Teleservice, sie werden mit unserer Notrufzentrale verbunden.“
Neugierige Besucher verirren sich regelmäßig in den immer gleich aussehenden Hallen und Treppenhäusern, oder müssen von der Feuerwehr aus dem Aufzug gerettet werden.
Einkaufswägen scheinen hier ihren natürlichen Lebensraum zu haben. Man kann sie in allen Ecken des ehemaligen Versandhauses finden. Manchmal kaum mehr erkennbar, weil als rollender Stuhl oder Lastenrad umgebaut, stehen sie da und werden immer wieder von jemand anderem genutzt und rumgeschoben. Generell gilt hier wohl, dass alles, was Rollen hat, lebt.
Die Bewohner dieses Ortes breiten sich immer wieder vorsichtig in den ungenutzen Platz aus, beleben ihn mit Badmintonspiel, Mittagstafel oder Gemeinschaftswerkstatt (oder Müllhalde). Solange bis jemand vorbei kommt der offiziell verantwortlich ist und sich an den Sachen stört. Dann zieht sich die Schnecke in ihr Haus zurück, räumt eilig ihren Krempel weg und wagt irgendwann vielleicht wieder ihre Fühler auszustrecken.
Große Aufruhr: Das Gebäude wurde verkauft! Alle werden gekündigt. Steht in der NN. Eine Woche später spricht man nicht mehr davon. Nur noch die, die eine Woche nicht da waren. Solche Hiobsbotschaften kommen ungefähr einem im halben Jahr. Und doch scheint es diesmal ernster zu werden. Es gibt einen Termin zu Zwangsversteigerung… Spontan werden Kräfte mobilisiert, ausgebrannte Kollektivmitglieder werden wiederbelebt und neue dazu gewonnen. Enthusiasmus keimt und wächst, wie die Bäume zwischen den Kacheln auf der Dachterasse.
Irgendwie hängen ja doch alle an dem Möglichkeitsraum, der das Kind in einem erweckt.

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Über lukasseite

system- und kunstkritische Kunst. aktivistischer Illustrator // reisender Portraitzeichner // kulturschaffender Radfahrer // Sand im Getriebe // Ein Tropfen im Ozean //

Ein Kommentar

  1. Pingback: Videos vom Leben in der Quelle - Sugar Ray Banister

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