(Spät)Sommerkollektion 2015

IMG_0984

Die Ausstellungshalle: Tobis spontane Ringskulpturen und ganz hinten der Klassiker: Margas Quallen

Trennstreifen Nr. 1 bis 28, Lötösonstreifen, Architekturpläne, usw... Danke Yor, fürs Aufhängen helfen!

Trennstreifen Nr. 1 bis 28, Lötösonstreifen, Architekturpläne, usw…
Danke Yor, fürs Aufhängen helfen!

In der Quelle gabs noch einmal das große Fest. Es ist arg weit in den Herbst gerutscht, aber es hat stattgefunden, woran ich zwischendurch nicht mehr geglaubt hatte.
Ich bin jedenfalls irgendwann aus dem Urlaub zurückgekommen als die Vor-Vorbereitungen schon erledigt waren und die Vorbereitungen noch nicht begonnen haben. Ich wollte gerne meine gezeichneten und niedergeschriebenen Reiseeindrücke zeigen. Vorallem, weil die Reise ja ein bisschen unter dem Motto Kollektives Leben stand. Ich bin schon auch los, um mir Inspiration bei anderen Projekten wie der Quelle zu holen, weil es bei uns ja Ende des Jahres vorbei ist. Um herrauszufinden was man danach am Besten macht, wie das andere machen oder einfach um vielleicht eine nächste Station zu finden. Das wiederum musste eigentlich auf der letzten großen Ausstellung in der Quelle gezeigt werden.

Ausstellungsrad in Benutzung

Ausstellungsrad in Benutzung

Eine Woche vorher gings dann richtig los, die Aussteller wurden auf die Halle losgelassen, die Dachterrasse wurde mal wieder mit Sitzmöglichkeiten, Bühne und Bar bestückt… Ich habe beschlossen mein Fahrrad als „Ausstellungswand“ zu nehmen. Weil es ja schon das zentrale Element der Reise war. Und weil es mich einfach langweilt Bilder an eine Wand zu hängen… Außerdem habe ich ein Kino aufgebaut und buntgemischte Quelle-Schnipsel gezeigt, ein paar Quelle-Reliquien aus der guten alten Inventur-Ausstellung mit Kabeln an Säulen hingezurrt.

Dann kam plötzlich die Hiobs-Botschaft, 1 Tag vor der Eröffnung: Die Veranstaltung kann nicht stattfinden weil ein zu hohes Risiko durch rechte Anschläge besteht, weil am Sonntag ein Flüchtlingsfrühstück geplant war. Sagt die Hausverwaltung bzw. der neue Eigentümer Sonae Sierra. Betreff der E-Mail: „Kein Asylantenfrühstück in der Quelle!“ Die Bedingung war, dass kein Flüchtling in das Gebäude darf. Da kommen dann schon Zweifel auf, ob es tatsächlich die Sorge vor rechter Gewalt die Ursache war oder einfach purer Rassismus. Die Gemüter im Quellkollektiv waren natürlich völlig erhitzt, es gab Uneinigkeiten wie man denn nun vorgeht. Geht man in die Offensive, an die Öffentlichkeit, mit dem Risiko, dass die Geschichte abgeblasen wird und ganze Arbeit der letzten Monate von rund 30 Leuten für die Katz ist? Oder sagt man dieses Frühstück ab? Oder, wofür sich dann entschieden wurde, zieht man den Außenbereich von der Dachterrasse in den Innenhof um, weil ja dann kein Flüchtling ins Haus kommt.

Bar-Aufbau

Bar-Aufbau

Das war dann eine heftige Hau-Ruck-Aktion, die komplett aufgebaute Dachterrasse wieder abzubauen und unten wieder auf. Respekt an die Crew für die gelungene Improvistion. Im Endeffekt war das meiner Meinung nach ein totaler Gewinn für das Fest, weil die Stimmung unten im Hof einfach super war und der Ort nochmal was neues nach 2 Jahren Dach.

Und, was das Ganze dann völlig absurd macht: Am Sonntag war EIN Flüchtling da. Einer. Irgendwie hat sich da niemand drum gekümmert, dass diese heiß diskutierte Zielgruppe auch von dem ihr gewidmeten Frühstück erfährt und vorallem auch da hingelangt. Dafür waren umso mehr kritische Einheimische da, die mal was für Gewissen tun konnten. Die Stimmung war super, die Sonne schien, das Essen war köstlich. Ich schäme mich dafür, dass wir auf diesen hochmodischen Zug mit aufgesprungen sind, ohne am Ende irgendwas außer heißer Luft zu bewirken. Eine Tonne Altkleiderspenden haben wir jetzt, die kein Flüchtlingsheim mehr annimmt. Und es wurden auch ein paar hundert Euro beim Buffet eingenommen, die dem internationalen Frauencafé gespendet wurden. (Ich muss aber auch sagen, dass diese Problematik vorallem an Personalmangel liegt. Die Organisation konnte einfach nicht mehr gestemmt werden. Die Idee an sich ist ja super! Aber vielleicht sollte man sowas nur ankündigen, wenn auch was dahinter steckt…)
OK ich nehme meine Kritik zurück! Es wurden über 700€ Spenden eingenommen die an das internationale Frauencafé übergeben wurden. Ist doch gut.

12049429_436583996527856_785994195886729102_n

Die Portraitbandarole. Habe auf Kassenbonrolle gezeichnet, einfach die Leute die mit dem Aufzug gefahren sind. Viel Zeit war da nicht, logischerweise… Foto von Jutta Leykauf.

12009713_10207805571758383_5998542150386855261_n

Use arrow keys to adjust. Press LENS button again for FOCUS. Foto von Tom Leather.

Das war für mich aber auch das einzige große Manko. Ansonsten war es meiner Meinung nach ein gelungenes Festival. Und das ohne Eintritt und ohne irgendwelche Sparkassen, Autohaus und Stadt Nürnberg-Logos auf dem Plakat. Die Ausstellung konnte sich sehen lassen, da waren echt ein paar Highlights dabei und das musikalische Programm war auch super hochwertig! Der Aufzug hat auch wieder Spaß gemacht. Ich habe Portraits von der Rolle gezeichnet. Und noch ein spontanes Projekt gab es: Irgendwie wurde ein Hochleistungsbeamer aufgebaut um im Innenhof an die Wand zu projezieren. Der Plan war, mal wieder das gute alte Alchemy auszugraben und die Quelle vollzumalen. Der Beamer allerdings hatte seine eigenen Vorstellungen, wie die Visuals auszusehen haben. Irgendwie war er völlig verprogrammiert. Zuerst wurde ewig versucht in irgendwelchen kryptischen Menüs die Einstellungen anzupassen. Klappte nicht, hielt aber jeder schon für die Show. Sah auch cool aus. Dann hab ich einfach meinen Laptop angeschlossen und irgendwelche Videos laufen lassen und ab und zu die Auflösung geändert und der Beamer hat es in Kunst verwandelt… Auch gut!

Mogli hat ein schönes Video mit Aufzug-Harfenklängen gebaut:

Das Fahrrad kam super an, ich habe 2 meiner ausgedruckten Reiseberichte verkauft und das Borgo-Ensemble hat mich promt eingeladen bei ihrer Ausstellung es auch nochmal zu zeigen. Immer gerne!

Ich muss zu guter letzt noch meinen großen Dank und Respekt an die diesjährigen Hauptorganisatoren aussprechen. Ich habe mich nach letztem Jahr diesmal etwas zurückgenommen was das angeht, Verantwortung und so. Dafür konnte ich, im Gegensatz zu den letzten Malen eine gute eigene Sache aufziehen. Schön, dass das möglich war!

Werbeanzeigen

Über lukasseite

system- und kunstkritische Kunst. aktivistischer Illustrator // reisender Portraitzeichner // kulturschaffender Radfahrer // Sand im Getriebe // Ein Tropfen im Ozean //

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: