Polizeiportraits

Ich war auf einer Spontandemo gegen die Abschiebung von Geflüchteten. Diese hatten sich organisiert und eine Demonstration gesartet, die dann in der Besetzung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge endete. Dort wurden die Menschen dann von der Polizei eingekesselt und von jeder Nahrungs-und Trinkzufuhr abgeschottet. Daraufhin hat sich auf der anderen Straßenseite eine immer größer werdende Gruppe von Demonstranten eingefunden, um sich gegen die Repression zu wehren.
IMG_9001 KopieDie Situation war dann so, dass man sich über längere Zeit mit den Polizisten gegenüber stand und somit eine echte Interaktion zustande kam. Absurde Gespräche auf unterschiedlichstem Niveaus entstanden… Ich habe mich dann spontan entschieden der Überheblichkeit und Unantastbarkeit der Staatsmacht etwas entgegen zu setzten und habe die Beamten portraitiert.
IMG_9002 KopieIch habe Polizisten gemalt, die sich sehr in ihrer Rolle gefielen und dann sogar posiert haben. Ich habe einen Polizisten gemalt, der die Demonstration gefilmt hat und dann auch mich. Eine beinahe museumsreife interaktive Performance würde ich sagen. Hat sehr für Belustigung in den Reihen der Demonstranten gesorgt. Er hat dann immer versucht, sich vor mir zu verstecken. Ich habe auch Polizisten gemalt, die mich mit hasserfüllten Augen angestarrt haben.

Ich wurde im weiteren Verlauf der Demonstration von einer Spezialeinheit völlig unsympatischer Polizisten mit einigen anderen Demonstranten eingekesselt. Wir wurden wie Vieh behandelt. Aber die Stimmung war gut, wir haben gesungen Dri Chinisin mit dim Kindribis sißin if dir Strißi ind irzihltin sich wis, di kim di Pilizi, ji wis ist din dis – dri Chinisin mit dim Kindribis! Dro Chonoson…
Nachdem ein Polizist meine Personalien aufgenommen hat, dem es offensichtlich völlig peinlich war, wie er und seine Kollegen mit den Demonstrierenden umgehen, bin ich zurück zu dem Platz, an dem ich meine Zeichnungen deponiert habe. Keine mehr da. Was ich trotzdem noch hatte an Bildern, waren die, die ich einem Freund vorher habe einstecken lassen.

Harte Erfahrung, wie man auf einmal nicht mehr als ebenbürtiger Mensch behandelt wird, nur weil man sich für etwas einsetzt, dass dem Gesetzgeber nicht in den Kram passt.

Das Portrait eines Polizisten kann gegen Spende erworben werden. Spendenvorschlag: Zwischen 20 und 60 Euro.
Die Hälfte der Spende geht an die Rote Hilfe e.V., die andere Hälfte an mich.

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Über lukasseite

system- und kunstkritische Kunst. aktivistischer Illustrator // reisender Portraitzeichner // kulturschaffender Radfahrer // Sand im Getriebe // Ein Tropfen im Ozean //

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